Methoden des Philosophierens

Im Gespräch mit Johanna, der Tochter einer Nichte, fiel mir auf, dass man produktives Schreiben lehren kann, dass es aber schwierig ist, zu beurteilen, ob man Philosophieren lehren kann (bzw. zu beschreiben, was man im Philosophieunterricht „eigentlich“ macht).

Ich habe in der Suchmaschine „Methoden des Philosophierens“ eingegeben – hier sind die Ergebnisse:

http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_4264/

(Jonas Pfister will eine bestimmte Antwort kritisieren, die lautet, „dass es eine Anzahl von wichtigen philosophischen Methoden gebe, zu denen die Hermeneutik, die Phänomenologie, die Dialektik und die Analytik gehörten, und darauf aufbauend auch entsprechende Unterrichtsmethoden“ – gegen E. Martens und J. Rohbeck. Bei Platon, dem Prototypen des Philsophen, wird argumentiert; „so kann man sagen, dass die philosophische Methode die Verwendung und Untersuchung von Argumenten beinhaltet, die man allein durch Nachdenken prüfen kann, und eine Untersuchung von Begriffen, in denen wir die Welt denken und mit denen wir die Welt beschreiben.“)

http://www.philosophieren-mit-kindern.de/

(Zu den grundlegenden philosophischen Techniken gehört das nicht-wertende Vergleichen, mit dem man Unterschiede und Ähnlichkeiten herausarbeitet. Diese Grundtechnik benötigen wir für alle drei Grundmuster des Philosophierens:

  • Fragen, Hinterfragen, Weiterfragen
  • Vorstellungsleben auf den Begriff bringen und Begriffe klären
  • Begründen

Zu den Methoden des Philosophierens zählen

  • Phänomenologie – das beobachtende Beschreiben
  • Deuten – fragen und verstehen von jemandem
  • Spekulieren – sinnieren und phantasieren
  • Analyse – Untersuchen und Zergliedern von Sachverhalten
  • Dialektik – in Gegensätzen und Widersprüchen denken.

Hier haben Martens und Rohbeck Pate gestanden. Dagegen liest man am besten den Text des ersten Links ganz! Außerdem kann man Ethik nicht ohne Wertung betreiben. Vgl. eine ähnliche Übersicht bei Donat Schmidt, jeweils mit kurzer Erläuterung: http://www.donat-schmidt.de/files/downloads/seminareinfuhr/methoden2.pdf

  • Phänomenologie
  • Analytische Philosophie
  • Hermeneutik
  • Dialektik
  • Dekonstruktion)

http://homilia.de/wp-content/uploads/2013/02/pmk.pdf

Karsten Dittmann zählt unter „Gegenstände und Methoden“ auf:

  • Wörter, Bilder Gegenstände (und was man damit machen kann)
  • Erarbeitung von Begriffen
  • Texte (welche und was man damit machen kann)
  • Gespräch

und nennnt zum Schluss Literatur und Links.

http://steinmair.jimdo.com/app/download/9262733499/2_Leseauftrag.pdf?t=1393780462

(Nach Barbara Brüning [Philosophieren mit Kindern in der Grundschule. Grundlagen. Methoden. Anregungen. Berlin 2001, 20 f.] lassen sich vier zentrale Methoden unterscheiden:

  • Begriffliches Arbeiten
  • Begründen von Meinungen/gute Gründe finden
  • Widerstreit der Meinungen im philosophischen Gespräch
  • Gedankenexperimente

Die in M 2 genannten Gesprächsimpulse zur Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung sind hilfreich:

Gesprächsimpulse zum Philosophieren mit Kindern

In der Vorlage heißt es zwar Gesprächsimpulse zum Philosophieren mit Kindern, aber es handelt sich in Wahrheit um Impulse für ein vernünftiges Gespräch, auch außerhalb des Philosophieunterrichts:

Impulse zur Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung

Nachfragen, um Begriffe, Meinungen und Positionen zu klären:

  • Was meinst du, wenn du … sagst?
  • Kannst du das genauer erklären?
  • Was bedeutet …?
  • Erkläre bitte an einem Beispiel, was du meinst.

Begründungen und konkrete Beispiele einfordern, Voraussetzungen aufdecken:

  • Warum meinst du, dass …?
  • Kannst du dafür einen Grund nennen?
  • Gibt es hierzu ein Beispiel / ein Gegenbeispiel?
  • Welche Voraussetzungen / Bedingungen müssen gegeben sein, damit …?

Aussagen noch einmal zur Diskussion stellen und das Nachdenken über Alternativen anregen:

  • Ist das wirklich so?
  • Gilt das für alle Fälle?
  • Wie verträgt sich das mit …?
  • Gibt es hier nur diese eine Möglichkeit / Meinung / Sichtweise / Lösung?
  • Könnte es auch ganz anders sein?

Konsequenzen und Folgen durchspielen:

  • Wenn das der Fall wäre, müsste dann nicht auch …?
  • Was würde daraus folgen?
  • Können alle diese Folge / Folgerung akzeptieren?

An das Ausgangsproblem erinnern und den Gesprächsstand zusammenfassen:

  • Unser Thema war … Wie passt das dazu?
  • Was haben wir bisher herausgefunden?
  • Wie sind wir zu diesem Punkt gekommen?
  • Was für verschiedene Meinungen haben wir gehört?
  • Welche Fragen wollen wir weiter vertiefen?

Impulse, die das Miteinander des Gesprächs anregen

  • Kannst du X zustimmen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  • Haben alle verstanden, was X gesagt hat? Kannst du erklären, was er/sie meint? [Die Vorlage weist hier einen Bruch auf! N.T.]
  • Möchte jemand zu diesem Gedanken etwas sagen? Hat jemand etwas Ähnliches oder ganz anderes gedacht?
  • Wie passt das, was du gesagt hast, zu dem, was X gesagt hat?
  • Wer ist damit einverstanden, wer nicht?

http://steinmair.jimdo.com/app/download/9262733499/2_Leseauftrag.pdf?t=1393780462

in 1/2010 Sachunterricht | www.grundschulunterricht.de, S. 39 (sprachlich minimal von mir überarbeitet, sachlich geringfügig erweitert – es fehlt allerdings der ganze Komplex des Bewertens von Handlungen und Vorschlägen, welche unter dem Stichwort ETHIK ihren Platz in der Philosophie haben und heute oft PRAKTISCHE PHILOSOPHIE heißen. Ich verweise hierfür auf das, was ich im Beitrag „Aufsatzunterricht“ unter „C: Etwas bewerten“ dazu gesagt habe: die Eignung von Vorschlägen zur Lösung einer Aufgabe sowie ihre Leistung mitsamt Kosten bewerten, die Nebenwirkungen beachten, das Recht / die Pflicht und die Berechtigung prüfen …)

http://homilia.de/wp-content/uploads/2013/02/pmk.pdf

(Es geht um Philosophieren als Methode des RU – entsprechend diffus sind die Ausführungen Karsten Dittmanns.)

http://www.ebacphilo21.net/app/download/9776226883/Philosophieren_Hegel.pdf?t=1412600055

(Die Auffassung Hegels ist sehr eigenwillig: Das Verfahren im Bekanntwerden mit einer inhaltsvollen Philosophie ist nun kein anderes als das Lernen. Die Philosophie muss gelehrt und gelernt werden, so gut als jede andere Wissenschaft.)

http://wg-enger.de/index.php?id=203

(Für ein Gymnasium wird Folgendes als Methoden deklariert:

* das logisch einwandfreie Argumentieren

* die Argumentation von Texten rekonstruieren

* das Klären von Begriffen und

* der Einsatz von Gedankenexperimenten)

http://www.textlog.de/kant-logik-skeptische.html

(Kant vertritt das kritische Verfahren, „worunter diejenige Methode des Philosophierens zu verstehen ist, nach welcher man die Quellen seiner Behauptungen oder Einwürfe untersucht, und die Gründe, worauf dieselben beruhen; — eine Methode, welche Hoffnung gibt, zur Gewißheit zu gelangen.“)

http://bildungsserver.hamburg.de/contentblob/3340624/data/nachdenkliche-gespraeche-fuehren.pdf

(Hier wird propagiert, nachdenkliche Gespräche im Sachunterricht zu führen; das wird im Anschluss an B. Brüning entfaltet, s.o.)

http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2009/713/pdf/Gaerner_Susanne_20080703.pdf, dort 5.2

(Anschluss an B. Brüning, s.o., bzw. in dieser Hausarbeit S. 44 ff.)

http://www.philosophisch-politische-akademie.de/sggrund.html

(Im Anschluss an L. Nelson wird das Sokratische Gespräch propagiert.

„Hier eine Liste der wichtigsten Regeln:

  • Jeder Teilnehmer teilt nur seine eigenen Gedanken mit, die Aussagen von „Autoritäten“ gelten nicht als Argument.
  • Ausgangspunkt ist die konkrete Erfahrung, und auch beim Fortschreiten zu allgemeineren Einsichten muss der Zusammenhang mit der konkreten Ebene immer bewusst bleiben.
  • Das Gespräch soll als Hilfsmittel des Denkens voll ausgeschöpft werden. Das bedeutet, dass das wechselseitige genaue Verstehen aller Teilnehmenden ständig abgesichert werden muss.
  • Es muss auch auf die Struktur des Gesprächs geachtet werden. Das heißt, es muss den Teilnehmenden bewusst sein, welche Frage gerade zur Diskussion steht, ob und mit welcher Begründung die Gruppe sich einer anderen Teilfrage zuwenden will etc.
  • Es gilt uneingeschränkt die Aufrichtigkeits-Verpflichtung und das Erstreben eines Konsenses aus innerer Überzeugung.“)

http://www.uni-leipzig.de/~kannetzk/Texte/Kannetzky%20Methode%20und%20Systematik%20der%20Philosophie.pdf

(Frank Kannetzky untersucht S. 12 ff., was eine philosophische Begriffsanalyse ist.)

http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=lehrwerk_extra&titelfamilie=&extra=&inhalt=klett71prod_1.c.1759036.de&modul=inhaltsammlung&kapitel=1759035#Methoden%20des%20Philosophierens%20%28S.%2017%29

(Hier zählen innerer Monolog, Begriffsanalyse und Sokratisches Gespräch zu den Methoden.)

 

Es fällt auf, wie sich das Thema „Methoden der Philosophie“ um Philosophieren mit Kindern und in der Schule konzentriert! Frau Brüning propagiert inzwischen sogar das Philosophieren im Kindergarten (http://www.kindergartenpaedagogik.de/1563.html) – was vielleicht als Rettung der Philosophie gedacht ist, scheint mir ein Weg in den Untergang zu sein: Wenn sich schon die Relevanz der akademischen Philosophie kaum erweisen lässt, wollen wir wenigstens in den Nischen des öffentlichen Raumes präsent sein! [SH unternimmt Versuche des Philosophierens mit Hochbegabten in Grundschule und Kita – darüber ließe sich noch sprechen.]

Literatur zum Thema:

http://www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/philosophie/philosophie2/lehre/WS_2010_11/leiber1/

http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/Wissenschaft/Philosophie-eine-Schule-der-Freiheit.pdf (Philosophie – eine Schule der Freiheit)

http://www.denkwege-zu-luther.de/philosophieren/de/literatur.asp (auch viele „philosophisch“ anregende Bücher!)

http://www.ulb.tu-darmstadt.de/fachinformationen/geisteswissenschaften/philosophie/lehrbuchsammlungphilosophie.de.jsp (Einführungen in die Philosophie; Didaktik und Methodik usw.) Ferner:

  1. W. Kamlah – P. Lorenzen: Logische Propädeutik. Revidierte Ausgabe 1967
  2. E. Tugendhat – U. Wolf: Logisch-semantische Propädeutik, RUB 8206
  3. Peter Janich: Logisch-pragmatische Propädeutik, Weilerswist 2001
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